Geschäftsbericht 2022

14 MILCHMARKT 2022 war für die Milcherzeuger und ihre Molkereien ein erneut herausforderndes und zugleich außerge- wöhnliches Jahr. Teilweise massiv gestiegene Kosten, Nachwirkungen der letzten beiden Pandemiejahre, angespannte Energieversorgung und Lieferketten brachten große Unsicherheiten. Die Milchproduktion blieb global und national gedämpft. Die Preise für Rohmilch und Milchprodukte stiegen kostenbedingt sehr deutlich an und erreichten im langfristigen Vergleich nicht gekannte Rekordwerte. MILCHWIRTSCHAFT INTERNATIONAL Weltweit zeigte sich 2022 ein geringeres Wachstum der Milcherzeugung. Die Ernährungs- und Landwirt- schaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) erwartet einen Anstieg um 0,6 % auf 930 Mio. t Milch. Dies ist die geringste Zunahme der letzten zwei Dekaden. Steigerungen werden vornehmlich in Asien erwartet – in Indien und Pakistan durch höhere Kuhbestände sowie in China durch Leistungssteigerungen in großen Betrieben. Hingegen wird mit einer rückläufigen Pro- duktion in der Ukraine, in Brasilien, der Türkei sowie in Ozeanien gerechnet. Als Ursachen werden hierfür unterschiedliche Faktoren wie Wetterextreme, Arbeits- kräftemangel und hohe Betriebsmittelkosten genannt. Der Welthandel mit Milchprodukten im Jahr 2022 wird von der FAO auf 82,1 Mio. t geschätzt. Mit einem Minus von 3,4 % bedeutet dies den ersten Rückgang seit zwei Jahrzehnten. Er resultiert insbesondere aus einer ge- ringeren Importnachfrage Chinas, der durch die höhere Nachfrage aus anderen Importregionen nicht kompen- siert wurde. Auch die Ausfuhren der EU und Deutschlands verzeichneten Rückgänge, wobei durch die vergleichs- weise höheren Preise die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Angebots verringert war. Die internationalen Preise für Milchprodukte sind seit Mitte 2020, mit Ausnahme der Monate Juni bis September 2021, kontinuierlich gestiegen und erreichten im Juni 2022 fast die Rekordwerte aus dem Jahr 2013. In der zweiten Jahreshälfte kam es dann zu Rückgängen. Zwar war das Angebot aus wichtigen Exportländern weiterhin verringert, jedoch ließ die Importnachfrage stärker nach. Der FAO-Preisindex, der auf Basis von Exportpreisen für Butter, Vollmilchpulver, Magermilch- pulver und Käse kalkuliert wird, lag zum Jahresende bei 139,1 Punkten. Im Jahresdurchschnitt 2022 wurden 142,5 Punkte erreicht. Dieser Wert lag damit sehr deutlich über dem Vorjahreswert von 119,1 Punkten und markiert damit gleichzeitig ein Allzeithoch. Milchwirtschaft international Milchwirtschaftliche Entwicklung · Die Milchwirtschaft international und in Deutschland 20 180 160 140 120 100 80 60 40 2000 DRV Milch 2023, Quelle: FAO 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 FAO DAIRY PRICE INDEX 2014 – 2016 = 100

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