Geschäftsbericht 2022
60 Es ist letztlich ungewiss, wie das Jahr 2023 verlaufen wird. Manches hat sich am Jahresanfang etwas entschärft. Die Höchststände bei den Energiepreisen sehen wir nicht mehr, steigende Zinsen sollen der galoppierenden Inflation entgegenwirken und in Deutschland wird es voraussichtlich entgegen ersten Prognosen doch keine Rezession im Jahr 2023 geben. Trotzdem werden die Energiepreise langfristig höher bleiben, als wir dies in der Vergangenheit gewohnt waren. Auch die Inflation wird 2023 hoch bleiben. Bei den Tarifabschlüssen drohen zusätzliche Belastungen. Vor allem die Teuerung schlägt derzeit fast überall durch. Die Nahrungsmittelpreise bilden hierbei keine Ausnahme. Verbraucher haben ihr Einkaufsverhalten bereits im vergangenen Jahr unter dem Einfluss der steigenden Lebenshaltungskosten geändert. Sie greifen immer öfter zu günstigeren Handelsmarken zulasten von an sich höherpreisigen Marken-Bioprodukten und auch Artikeln mit sogenannten Nachhaltigkeitslabeln. Für die Hersteller, auch und besonders für die Milchin- dustrie, dürfte 2023 erneut ein herausforderndes Jahr werden. Wie sich die Nachfrage am Weltmarkt, vor allem aus China, entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Zum Zeit- punkt der Erstellung des Geschäftsberichts hatte es den Anschein, dass die Preisrückgänge bei Butter, Pulver und Käse gestoppt waren und sich ein Boden ausgebildet hat. Das Jahr 2023 ist für die Landwirte mit hohen Milch- preisen gestartet, deren Höhe noch vor einem Jahr vollkommen unvorstellbar schien. Die im Herbst außer- gewöhnlich hohen Erlöse der Milcherzeuger haben in Europa die Produktion von Milch, entgegen allen Prognosen, wieder deutlich steigen lassen. Ausblick auf das Jahr 2023 Das Jahr 2022 sollte eigentlich das Jahr werden, in dem Corona imWesentlichen überwunden hätte sein sollen. Doch statt einer Erholung gab es an vielen Stellen Ernüchterung. Die Milchauszahlungspreise zurückzunehmen ist aufgrund der Marktlage mit einer hohen Produktionsmenge und gleichzeitig gedämpfter Nachfrage leider alternativlos. Es gilt, die Märkte schnell wieder in ein Gleichgewicht zu bringen, damit es zu keinen größeren Verwerfungen kommt. Wo das neue Niveau 2023 liegen wird, ist aufgrund der zahlreichen Unwägbarkeiten nicht zu prognostizieren. Fakt ist aber, dass die aktuelle Ausdehnung der Milch- produktion, gerade auch in Deutschland, nur eine kurz- fristige Reaktion auf die hohen Milchpreise ist. Auf längere Sicht werden die verschiedenen Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit und bessere Haltungsformen das Milchangebot auf den rückläufigen Trend der ver- gangenen Jahre zurückbringen. Hofentlich kommt es in manchen Regionen Süddeutschlands nicht zum Strukturbruch. Stallbaumaßnahmen sind derzeit aufgrund stark ge- stiegener Baukosten, steigender Zinsen und immer höherer Hemmnisse durch behördliche Auflagen nicht erkennbar. Investitionen in Nutztierhaltung finden in Deutschland momentan praktisch nicht statt. Dazu trägt auch ein hohes Maß an politischer Verunsicherung bei. Aussichten 2023
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