Gesamtwirtschaftliche Entwicklungen 2019 DEUTLICH GERINGERES WIRTSCHAFTSWACHSTUM Nach vielen Jahren des Aufschwungs schwächte sich der konjunkturelle Auftrieb in Deutschland 2019 merklich ab. Die Auslastung der Produktionsfaktoren ging erheb- lich zurück. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg lediglich um 0,6 % im Vergleich zu 1,5 % im Jahr 2018. Die Gründe hierfür sind vor allem globalen Ursprungs: Die schwächere Weltwirtschaft, die eskalie- renden Handelskonflikte, die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und die Unsicherheiten rund um den EU-Austritt Großbritanniens belasteten die Geschäfte der außenhandelsorientierten Wirtschaftsbereiche spürbar. Im verarbeitenden Gewerbe kamen neben den interna tionalen Belastungsfaktoren auch inländische Probleme zum Tragen. Insbesondere die strukturellen Verände rungen in der Automobilindustrie im Hinblick auf neue, emissionsarme Antriebe wogen schwer. Die überwiegend inlandsorientierten Wirtschaftsbereiche präsentierten sich im Gegensatz dazu in einer guten Verfassung. KONSUMAUSGABEN ALS WACHSTUMSMOTOR Bei den Konsumausgaben setzte sich das solide Wachs- tum der Vorjahre fort. Die privaten Konsumausgaben expandierten 2019 um 1,5 % und damit stärker als im Vorjahr (+1,3 %). Anregende Impulse erhielt der private Verbrauch abermals vom andauernden Beschäftigungs- aufbau sowie von den vielfach kräftigen Verdienststeige- rungen. Private und staatliche Konsumausgaben trugen zusammen mit 1,3 Prozentpunkten zum BIP-Anstieg von 0,6 % bei und waren damit der wichtigste Treiber des Wirtschaftswachstums. MODERAT EXPANDIERENDE INVESTITIONEN Auch die Bruttoanlageinvestitionen blieben 2019 aufwärts gerichtet. Der Boom in der Bauwirtschaft hielt an und führte zu einem beschleunigten Investitionszuwachs von 3,8 % im Vergleich zu 2,5 % in 2018. Bei den Wohnungsbau investitionen konnte das Wachstum nochmals gesteigert werden, trotz der Knappheit an Arbeitskräften, Bauland und Baumaterialien. Aber auch im Nichtwohnungsbau zog das Expansionstempo an, gestützt unter anderem durch Bahn-Investitionsprojekte und den Breitbandausbau. Die Bereitschaft, in Ausrüstungen zu investieren, wurde durch die enormen weltwirtschaftlichen Unsicherheiten und die rückläufige Kapazitätsauslastung im verarbeitenden Gewerbe spürbar beeinträchtigt. SCHWACHER AUSSENHANDEL Die genannten außenwirtschaftlichen Belastungsfaktoren, vor allem die von den USA ausgehenden handelspoli tischen Konflikte, haben das globale Investitionsklima erheblich eingetrübt und den Welthandel gebremst. Deutschland war hiervon besonders betroffen, da die hiesige Industrie auf die Produktion von Investitions gütern spezialisiert ist. Der Anstieg deutscher Export geschäfte ging infolgedessen von 2,1 % in 2018 auf 0,9 % in 2019 um mehr als die Hälfte zurück. Das Importwachs- tum schwächte sich trotz der hohen Binnennachfrage von 3,6 % in 2018 auf 1,9 % in 2019 ebenfalls deutlich ab. Vor diesem Hintergrund verminderte der Außenhandel als Ganzes den BIP-Anstieg wie bereits im Vorjahr um 0,4 %. STAATLICHER HAUSHALTSÜBERSCHUSS GEHT ZURÜCK Der gesamtstaatliche Finanzierungsüberschuss ist leicht zurückgegangen. Er sank nach einem Rekordwert von 62,4 Mrd. Euro im Vorjahr auf 49,8 Mrd. Euro. Dies entspricht 1,5 % des BIP. Ursächlich hierfür waren die aufgrund der konjunkturellen Abkühlung geringeren Steuereinnahmen. Ihnen gegenüber standen wachsende staatliche Ausgaben. So steigerte der Staat seine Sozialleistungen deutlich und ging mehr in Vorleistung, beispielsweise im Rahmen des Digitalpaktes für Schulen. Der Schuldenstand der öffentlichen Hand dürfte in Relation zum BIP erstmals seit 2002 leicht unter den Maastricht-Referenzwert von 60 % gefallen sein. BESCHÄFTIGUNGSAUFBAU FLAUT AB Am deutschen Arbeitsmarkt verlor das Beschäftigungs- wachstum an Schwung. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im Jahresdurchschnitt 2019 um rund 400.000 auf etwa 45,3 Mio. an. 2018 waren es im Vergleich dazu noch 610.000 Neuerwerbstätige. Außerdem beruhte der Zuwachs lediglich auf einer Ausweitung der sozial- versicherungspflichtigen Beschäftigung. Die Zahl der Selbstständigen sowie der ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigten ging weiter zurück. Bei der Arbeitslosenquote war ein Rückgang um 0,2 Prozent- punkte auf 5,0 % zu verzeichnen. 8 MILCHWIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG – GESAMTWI RTSCHAFTL I CHE ENTWI CKLUNGEN
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